„Die Aufgaben schweben über mir wie eine dunkle Wolke“

Monika, 27, ist alleinstehende Mutter von vierjährigen Zwillingssöhnen. Während der Pandemie macht sie sich vor allem um Geld und ihr Studium Sorgen.
Protokoll von Lara Thiede

Illustration: FDE

„Meine beiden Söhne sind vier Jahre alt und immer abwechselnd drei Tage bei mir, dann drei Tage bei ihrem Vater, mit dem ich nicht mehr zusammen bin. Wenn meine Kinder bei mir sind, hat das für mich vor Corona bedeutet: Um 5 Uhr morgens aufstehen, gemeinsam mit den Kindern mit dem Schienenersatzverkehr eine Stunde lang zur Uni fahren, sie dort in der Kita abgeben. Für mich ging es dann von 8 bis 16 Uhr in Vorlesungen oder die Bibliothek. Dann holte ich die Kinder ab, wir fuhren wieder zurück. Am Ende blieb nicht mehr viel übrig vom Tag: Wir machten kleinere Einkäufe, aßen Abendbrot, gingen früh schlafen. An den Tagen, an denen meine Söhne nicht bei mir sind, machte ich Behördengänge, kümmerte mich um diverse Anträge, den Haushalt und größere Einkäufe, traf gelegentlich eine Freundin.

Monika ist 27 Jahre alt und teilt ihren Alltag als studierende Zwillingsmama auch auf ihrem Instagram-Account @alleinerziehendstudieren.

Foto: privat

Mit ihren Zwillingen verbringt sie während der Corona-Krise viel Zeit draußen.

Foto: privat

Viel davon fällt jetzt weg, da die Uni geschlossen hat. Und ich muss sagen: Das erleichtert mich hauptsächlich. Ich finde es schön, jetzt mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen zu können, nicht so eng getaktet zu sein. Und sie genießen das auch sehr. Denn sie können jetzt ausschlafen, müssen nicht mehr so weit mit den Öffis fahren. Zum Glück haben wir auch gleich den Wald vor der Tür, dort verbringen wir jeden Tag vier bis fünf Stunden. Was ihnen dabei besonders gut gefällt: Auch die älteren Kinder, die sonst den halben Tag in der Schule sitzen, sind jetzt viel mehr draußen. Meine Jungs schauen ihnen immer total fasziniert zu, wenn sie zum Beispiel im Wald eine Hütte bauen oder ähnliches.

Aber natürlich gibt es auch einige Dinge, die die Kinder stören: Sie können ihre Freunde nicht sehen und die Spielplätze sind abgesperrt. Das haben sie anfangs nicht richtig verstanden, wieso sie bestimmte Dinge jetzt nicht mehr machen können – was ja auch klar ist. Sie arrangieren sich damit aber eigentlich sehr gut, sie sind ja immerhin zu zweit. Ans dauernde Händewaschen haben sie sich mittlerweile auch schon gewöhnt.

Nächste Woche kommt der Internetanschluss – obwohl ich ihn mir eigentlich nicht leisten kann

In Sachen Uni ist es für mich aber schwieriger geworden, die Aufgaben schweben über mir wie eine dunkle Wolke. Ich habe früher nie Zuhause etwas für die Uni gemacht. Deshalb habe ich auch kein Wlan – in der Uni gibt es welches und ich kann es mir eigentlich nicht leisten. Das muss sich jetzt ändern: Nächste Woche kommt der Internetanschluss. Da ich uns über Bafög und einen kleinen Zuschuss vom Jobcenter finanziere und der Vater meiner Kinder Hartz IV bezieht, bin ich gespannt, wie wir damit hinkommen werden. 

Finanziell ist es für mich jetzt ohnehin noch schwieriger als vor der Krise, da die Kinder nicht mehr in der Kita warm essen und ich nicht mehr günstig in der Mensa essen kann. Während viele gerade sagen, sie würden weniger Geld ausgeben, auch durch das Kochen Zuhause, spüre ich diesen Effekt jedenfalls nicht – sondern eher andersrum.

Eigentlich hätte ich mich gerade nach einem Nebenjob in einem Ingenieurbüro umsehen wollen, um nicht mehr vom Jobcenter abhängig zu sein und mir später den Berufseinstieg zu erleichtern. Aber das ist jetzt natürlich nicht mehr möglich, bis die Kitas wieder aufmachen und Vorstellungsgespräche wieder stattfinden. Selten habe ich mir so sehr ein bedingungsloses Grundeinkommen gewünscht. Aber ich bin zumindest erleichtert, dass das Bafög normal weiterläuft.

Ich habe außerdem Glück, dass der Vater meiner Söhne so flexibel ist und die Kinder wie gewohnt mindestens drei Tage nehmen kann. Denn Familie habe ich in unserer Gegend keine, die Uni geht bei mir seit 1. April mit ganz normalen Pensum weiter. Ich muss mit voller Konzentration dabei sein, da es ein sehr forderndes Studium ist. Das ist schwierig mit Kindern, ich komme aktuell aber kaum hinterher. Da wir auch nur ein Gerät haben, kann ich meinen Kindern auch nicht sagen: „Schaut euch mal eine Stunde was an.“ Ich brauche das iPad ja, um zu lernen.

Ich glaube aber, dass ich da einfach herausfinden muss, wie ich mich besser abkapseln kann. Grundsätzlich finde ich nämlich, dass Online-Vorlesungen für junge Eltern wie mich eine tolle Chance sind, Familie und Studium gut vereinbaren zu können. Ich fürchte trotzdem, dass ich dieses Semester nur ein oder zwei Prüfungen statt sechs ablegen kann. Wenn sich die Krise noch lange hinzieht, könnte das bedeuten, dass ich mein Studium erst ein bis zwei Jahre später abschließen kann. Dabei möchte ich wirklich dringend in den Beruf einsteigen, um meine Familie endlich finanziell absichern zu können.“

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