Was Männer* über Menstruationsprodukte wissen sollten

Auch nicht-menstruierende Menschen sollten lernen, wie Tampon, Tasse und Co. funktionieren – um mitreden und mitfühlen zu können. Ein Überblick.
Von Rena Föhr
zykluskolumne 13 produkte cover

Illustration: Daniela Rudolf-Lübke

„Ist das nicht unangenehm?“ Das ist die Frage, die mir von Männern* am häufigsten zur Menstruationstasse gestellt wird – vor allem, wenn sie zum ersten Mal ein Modell in echt sehen. Was auf mich mit etwa sechs Zentimetern Höhe und rund 25 Millilitern Fassungsvermögen (variiert je nach Modell) eher klein und schick wirkt, zeichnet Männern* oft eine Mischung aus Neugier und Sorge ins Gesicht: „Die sieht so groß aus, spürt man da echt nix?“

Auf der anderen Seite stehen Frauen*, die ihren Partner nie zum Tamponholen schicken würden, da er sicher „die Falschen“ mitbringen würde. Im Internet findet man diverse Videos von Männern*, denen Menstruationsprodukte gezeigt werden, woraufhin sie ahnungslose Dinge sagen und ungeschickt damit hantieren. Es ist nicht ganz unlustig, aber irgendwie auch etwas traurig – zeigt es doch, wie wenig viele Männer* und Frauen* selbst bei großer Vertrautheit über diese Angelegenheit kommunizieren.

Gründe, sich auch als nicht-menstruierender Mensch für die Vielfalt an Periodenprodukten zu interessieren, gibt es zur Genüge: Vielleicht ist man Vater einer Tochter, Biolehrkraft, Gynäkologe oder einfach ein mitfühlender Mensch. Abgesehen davon profitieren nicht nur (cis) Männer, sondern auch junge Mädchen* oder alle, die mit ihrem aktuellen Hygieneprodukt unzufrieden sind, von einem Überblick über die Auswahl, die in den letzten Jahren erstaunlich groß geworden ist. Let’s talk about Größen, Mythen und Nachhaltigkeit!

Die heute erhältlichen Menstruationsprodukte kann man auf mehrere Arten unterteilen: Es gibt wiederverwendbare Alternativen und Wegwerfprodukte, es gibt Optionen zur internen und zur externen Anwendung. Welches man nutzen möchte, hängt übrigens nicht vom Alter ab oder davon, ob man schon penetrativen Sex hatte. Im Zentrum stehen die persönlichen Bedürfnisse und Präferenzen.

Binden

Einwegbinden sind das Produkt, mit dem Mädchen* bei der ersten Menstruation am häufigsten in Berührung kommen – was nicht heißt, dass es die einzige Wahl für sie sein sollte. Sie bestehen aus einem Zellstoff-Plastikgemisch, werden in den Slip geklebt und fangen das aus der Vagina fließende Blut auf. Die Größen reichen von Mini bis Maxi, wobei letztere für starke Blutungen oder das Tragen über Nacht geeignet sind. Etwas paradox ist, dass manchen Binden Duftstoffe zugesetzt sind, die möglichst „frisch halten“ sollen. Gleichzeitig sorgt aber vor allem die Reaktion mit dem Bindenmaterial für die Geruchsentwicklung, während das Blut selbst kaum riecht – wie man schnell merkt, wenn man auf Produkte wie die Tasse umsteigt.

Eine nachhaltige Alternative sind waschbare Stoffbinden. Sie werden oft als angenehmer für die Haut empfunden. Wer hingegen ein Produkt sucht, das auch beim Schwimmen und Sport gut funktioniert, landet schnell bei Tampons.

Tampons

Tampons werden in die Vagina geschoben – so weit, bis man sie nicht mehr spürt. Sind sie zu nah am Eingang platziert, verursachen sie durch ihre starre Form ein eher schmerzhaftes Gefühl. Um sie zu entfernen, zieht man an einem Rückholbändchen. Wie fast alle Produkte gibt es auch Tampons in diversen Größen. Manche Frauen* bevorzugen Tampons mit Applikatoren aus Plastik. Im Vergleich zur trockenen Viskose des Tampons gleitet das Plastik beim Einführen besser, verursacht aber auch zusätzlichen Müll. Wenn man einen Tampon ohne Applikator nutzt, sollte man vor dem Einführen besonders auf gründliches Händewaschen achten. Unabhängig davon, ob er vollgesaugt ist, sollte man Tampons nach spätestens acht Stunden wechseln, um das Risiko des Toxischen Schocksyndroms, das vor allem im Zusammenhang mit stark saugfähigen Tampons und langer Tragedauer zu stehen scheint, zu minimieren. Diese Erkrankung ist zum Glück sehr selten. Eine weitaus häufigere, durch Tampons ausgelöste Beschwerde sind ausgetrocknete Schleimhäute und dadurch begünstigte Pilzinfektionen.

Menstruationstassen

Dieser Umstand könnte die steigende Beliebtheit dieses Produkts erklären, das seit etwa 2015 Furore macht – aber bereits in den 1930er Jahren erfunden wurde: Die Menstruationstasse, auch Cup genannt. Sie ist ein kleiner, becherförmiger Behälter aus medizinischem Silikon oder TPE (Thermoplastische Esomere, ein Kunststoff) mit einem kleinen Stiel am unteren Ende. Härtegrad, Fassungsvermögen und genaue Form der Tassen variieren. Welches Modell zu welcher Person passt, kommt übrigens nicht zwingend darauf an, wie alt sie ist oder ob sie ein Kind geboren hat, sondern auch auf Stärke der Blutung und der Beckenbodenmuskulatur sowie Sensibilität der Schleimhäute. Spezielle Websiten beraten dazu.

Anders als ein Tampon sitzt eine Menstruationstasse nahe des Vaginaleingangs – sie ist auch flexibler und ergonomischer geformt. Außerdem hat sie deutlich mehr Fassungsvermögen als Tampons oder Binden und muss, je nach Stärke der Blutung, nur alle 12 Stunden gewechselt werden. Der Stiel am Ende der Tasse dient nur zur Orientierung – Unterdruck beim Herausziehen vermeidet man, indem man die Tasse leicht zusammendrückt. Den beunruhigten Männern aus der Einleitung sei gesagt: Man spürt die Tasse tatsächlich nicht, wenn sie richtig sitzt und Größe und Härtegrad zur Vagina passen. Die Vagina hat vergleichsweise wenig Nerven – ganz im Gegensatz zur Klitoris. 

Periodenunterwäsche

Trotzdem mögen nicht alle Menstruierende interne Produkte. Das kann persönliche, kulturelle oder medizinische Gründe haben. Eine innovative Option für den externen Gebrauch ist Periodenunterwäsche, spezielle Slips mit mehreren Materialschichten, die das Blut direkt auffangen – was Bindenkleben, Verrutschen und Müll spart. Sie halten nach Herstellerangaben zwischen sechs Monaten und zwei Jahren und haben eine Aufnahmefähigkeit von einem halben bis zu vier Tampons. Dadurch sind sie sowohl als alleinige Option als auch für die Mix-Anwendung geeignet – beispielsweise, wenn man an leichten Tagen ein internes Produkt als unangenehm empfindet, aber aus ähnlichen Gründen wie bei Binden kein Fan von Slipeinlagen ist. Um Periodenslips zu reinigen, wäscht man sie am besten mit kaltem Wasser vor und gibt sie anschließend in die normale Wäsche. Die Herstellerangaben variieren zwischen 30 und 60 Grad.

Softtampons, Schwämme und Softcups 

Für alle, die während der Periode nicht auf Penis-in-Vagina-Sex, aber gern auf Blut dabei verzichten möchten, sind diese Optionen besonders spannend. Softtampons und Naturschwämme platziert man vor dem Muttermund, wo sie einige Stunden lang Blut aufsaugen können. Da sie eher tief sitzen und kein Rückholband haben, sollte man allerdings mit seiner Vagina vertraut sein, keine Scheu haben, tief hineinzufassen und das Blut auszuwringen (manche dieser Produkte kann man mehrfach verwenden, andere nicht – ein Blick auf die jeweilige Anleitung hilft). Softcups hingegen sind flach geformt und bestehen aus Latex oder medizinischen Kunststoffen. Man muss sie also ausleeren, meistens sind sie Einwegprodukte. Inzwischen ist auch eine Art „Hybrid“ auf dem Markt: Ein wiederverwendbarer Silikoncup, der aber weicher und flacher als eine klassische Menstruationstasse ist. Eben wegen dieser Form gilt das Wechseln als schwieriger als bei herkömmlichen Tassen. Der unblutige Sex macht das für manche aber wett.

Free Bleeding / Freies Bluten

Wir haben also eine große Auswahl – was, wenn man sie aber gar nicht nutzen möchte? Tatsächlich fließt Menstruationsblut nicht kontinuierlich vor sich hin, sondern kommt meist schwallweise, angekündigt durch ein stärkeres Ziehen im Unterleib. Beim freien Bluten geht man in den entscheidenden Momenten zur Toilette und lässt das Blut ab. Ein gutes Körpergefühl und eine starke Beckenbodenmuskulatur sind dabei hilfreich – und auch trainierbar. Was bei manchen Stress auslösen mag, kann für andere eine besondere Verbindung zu und Kontrolle über ihren Körper herstellen.

Seid sensibel und mansplaint nicht die Menstruation

Wir haben heutzutage die Vielfalt und meist auch das Privileg, zu wählen, wie wir mit der Menstruation am besten umgehen. Ich persönlich freue mich, wenn auch Nicht-Menstruierende ein Bewusstsein dafür entwickeln. Wenig hilfreich ist hingegen Menstruations-Mansplaining. Auf Instagram hatte ich einmal mit einem Mann zu tun, der extrem interessiert an Zyklusthemen war, sich aber sogleich per Privatnachricht bei mir beschwerte, dass seine Freundinnen nicht unverzüglich auf seine sämtlichen Tipps zu Zyklus-Apps und Wechseldauer von Periodenprodukten eingingen. Meine Hinweise, erst einmal zuzuhören und herauszufinden, ob seine Erkenntnisse überhaupt gewollt seien, drangen nicht zu ihm durch. Stattdessen machte er munter weiter und belehrte auch andere, dass sie dieses oder jenes falsch verstanden hätten. Daher eine kleine Bitte zum Ende: Werdet keine Menstruations-Mansplainer, sondern seht die Information aus dem Artikel eher als Basis, ein guter „Period Ally“ zu werden! Mit ein wenig Empathie findet man schnell heraus, wann es gewünscht ist und wann (noch) nicht.

  • teilen
  • schließen