Welche Dinge sollte dein Dozent über dich wissen?

Diese Frage stellte ein Dozent aus den USA. Die Antworten seiner Studierenden zeigen, was Studierende während der Pandemie belastet.
buzz twitter dozent antworten cover

Foto: Jan Baborak / Unsplash / Bearbeitung: jetzt

Der US-amerikanische Dozent Anthony Ocampo hat seinen Student*innen nach Beginn des neuen Semesters eine ungewöhnliche Aufgabe gestellt: Sie sollten Dinge aufschreiben, von denen sie sich wünschen, dass ihre Dozent*innen sie wissen. Nachdem er die Antworten gesammelt hatte, postete Ocampo eine Auswahl davon auf Twitter – anonymisiert, paraphrasiert und mit der Erlaubnis der Studierenden. Mit dieser Idee hat Ocampo, der an der California State Polytechnic University Soziologie unterrichtet, offenbar einen Nerv getroffen. Denn in den Antworten zeigt sich, dass die Corona-Pandemie die Studierenden sehr belastet.

Die meisten der Antworten verweisen darauf, wie sehr die soziale Isolation und die digitale Lehre viele Student*innen mitnimmt. Sie berichten zum Beispiel von Depressionen und Angststörungen, von einem toxischen oder schlicht störenden Lernumfeld:

  • „Die Quarantäne beeinträchtigt meine psychische Gesundheit und es gibt mehr Aufgaben als je zuvor.“

  • „Es ist unmöglich, mit der Familie zu Hause zu lernen.“

  • „Meine Familie macht mich wahnsinnig.“

  • „Weil ich den ganzen Tag vor meinem Computer sitze, um zu lernen, denken meine Eltern, ich sei faul.“

  • „Mein Zuhause ist für mich als queere Woman of Color nicht sicher.“

  • „Konstante Zoom-Kopfschmerzen.“

  • „Es ist schwer, sich zu motivieren.“

  • „Praktika wurden gestrichen.“

  • „Freund*innen und Familienmitglieder sind am Coronavirus gestorben.“

„Ich arbeite 40 Stunden die Woche und studiere zusätzlich“

In den USA ist die Corona-Lage weiterhin besonders kritisch. Laut der Johns-Hopkins-Universität ist es das Land mit den meisten Infizierten, insgesamt fast sieben Millionen Menschen, und mehr als 200 000 Toten. Die Pandemie schafft dabei nicht nur neue Probleme, sondern verschärft zudem bereits bestehende, wie in den Antworten, die Ocampo gesammelt hat, deutlich wird:

  • „Keine Krankenversicherung.“

  • „Ich kann mir keinen neuen Laptop leisten.“

  • „Fünf Kurse und einen Nebenjob online.“

  • „Ich arbeite 40 Stunden die Woche und studiere zusätzlich.“

  • „Ich studiere in der ersten Generation in meiner Familie und bekomme keine Unterstützung.“

  • „Ich bin eine Mutter.“

  • „Ich habe ein Schulkind zu Hause und zwei Jobs.“

Unklar bleibt, was er mit den zahlreichen Antworten nun anfangen wird

Der Dozent Anthony Ocampo, der die Dinge sammelte, die seine Student*innen ihm gerne mitteilen würden, forscht zur sozialen Situation marginalisierter Gruppen. Außerdem hat er das Buch „The Latinos of Asia: How Filipino Americans Break the Rules of Race“ geschrieben. Derzeit arbeitet er an seinem zweiten Buch: „To Be Brown and Gay in LA“. Er beschäftigt sich nach eigenen Angaben mit den Themen Migration und LGBTQ. Unklar bleibt, was er mit den zahlreichen Antworten seiner Student*innen nun anfangen wird. Wird er mit ihnen darüber sprechen? Oder reicht ihm das Wissen um deren schwierige Situationen aus, um daran etwas zu verbessern? 

Vielleicht ist es einfach ein wichtiger erster Schritt, Öffentlichkeit dafür zu schaffen. Zahlreiche Twitter-Nutzer*innen dankten ihm jedenfalls schon dafür – und teilten ihre eigenen Gedanken mit. Eine Nutzerin schrieb: „Das zu lesen war hart, aber es bringt die Probleme von sozialer Isolation zum Vorschein. Wir brauchen einander. Wir sollten in Kontakt treten und uns gegenseitig helfen.“

fsk

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