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Bild: dpa / Carmen Jaspersen

Es mag eine wissenschaftlich kaum haltbare Theorie sein, aber das Jahr 2018 war gefühlt das längste Jahr seit Anbeginn der Zählung. Wobei hier die Betonung auf „gefühlt“ liegt. Denn Zeit vergeht ja messbar immer gleich. Doch für uns Menschen vergeht sie eben sehr unterschiedlich, was man gut feststellen kann, wenn man darauf wartet, dass das Nudelwasser endlich kocht. Der Verhaltenspsychologe Aaron M. Sackett hat in einem Text beschrieben, warum uns das Jahr 2018 so wahnsinnig lang vorkommt: Er erklärt das damit, dass wir Zeit unterschiedlich wahrnehmen.

Achten wir darauf, wie die Zeit vergeht, wird sie langsamer. Sind wir abgelenkt und mit anderen Dingen beschäftigt, achten wir weniger auf den Zeitverlauf und sind am Ende überrascht, wie schnell die Zeit verging. Zum Beispiel im Kino. Oder wenn wir uns mit guten Freunden treffen und nach gefühlt einer Viertelstunde schon Sperrstunde ist.

Nun ist in diesem beinahe vergangenen Jahr eine Menge passiert. Dennoch kommt es vielen in der Rückschau so vor, als sei es das längste Jahr aller Zeiten gewesen.

Diese Wahrnehmung liegt daran, dass so viel passiert ist. Wenn man auf einen Zeitraum zurückblickt, dann dehnt der sich umso weiter aus, je mehr Ereignisse man in diesem Zeitraum erlebt hat. 2018 nun hatte so viele wichtige und einprägsame Ereignisse, dass man beim Aufzählen kaum glauben kann, dass sie alle in einem einzigen Jahr stattfanden.

Oder hättest du gedacht, dass all diese Ereignisse 2018 passiert sind?

  • Es gab so viele „Challenges“, die alle mitmachen mussten, um von ihren Kumpels weiter akzeptiert zu werden: Die Tide Pod-Challenge, bei der sie Waschkapseln vernaschten. Die Kondom-Challenge, bei der man Kondome durch das eine Nasenloch rein und das andere wieder rauszog. Die „In My Feelings“-Challenge, bei der wir aus dem fahrenden Auto aussteigen und zu Drake tanzen mussten. Es gab wirklich eine Menge zu tun. 
  • Donald Trump hat uns via Twitter regelmäßig über seinen Geisteszustand auf dem Laufenden gehalten:
  • 2018 war das Jahr, in dem olympische Winterspiele stattfanden. Ohne Schmarrn! In Südkorea. Glaubst du nicht? Wir auch nicht.
  • Ebenso wenig können wir glauben, dass 2018 der Film „Black Panther“ in die Kinos kam. Das kann doch unmöglich sein! Das muss doch mindestens zwei Jahre her sein.
  • Boris und Lilly haben sich getrennt – kann man da jetzt noch an die Liebe glauben?
  • Doch, ja. Denn: Im Mai heiratete die geschiedene (!), amerikanische (!!) Schauspielerin (!!!) Meghan Markle ins englische Königshaus ein. Sie und Prinz Harry gaben sich das Ja-Wort und waren kurze Zeit später auch gleich schwanger. Wie im MÄRCHEN!
  • Das Schulmassaker von Parkland, bei dem ein 19-jähriger 14 Schüler und drei Erwachsene an seiner ehemaligen Schule erschoss, passierte am 14. Februar. Es war einer von 337 Amokläufen, die 2018 in den USA stattfanden (Stand 27.12.2018 laut der Non-Profit-Organisation Gun Violence Archive). 2018 starben in den USA  14352 Menschen durch eine Waffe. 
  • Am 3. Januar hat Donald Trump noch damit angegeben, dass sein Atom-Knopf größer und mächtiger ist als der von Kim Jong-Un. Fünf Monate später hat er ihn getroffen und ist seitdem ein großer Fan.
  • In Bayern fand eine hoch spannende Landtagswahl statt. Am Ende blieb alles beim alten. Nur mit mehr Parteien. Und der AfD. 
  • Kanye West  hat so viel durchgemacht. Oder halt, stop, nein: Wir haben so viel mit Kanye durchgemacht: Er verteidigte Trump, erklärte, Sklaverei sei eine Wahl gewesen. Er erklärte, er sei von Schmerzmitteln abhängig gewesen, er hatte Fettabsaugung. Er trug den „Make America Great Again-Hut. Dann besuchte er Trump im Weißen Haus. Nebenbei produzierte und veröffentlichte er auch fünf Alben und kehrte auf Twitter zurück.
  • Der jodenlnde Knabe im Walmart wärmte für kurze Zeit die Herzen der Amis, bekam einen Plattenvertrag, hatte einen Auftritt bei Coachella und ist von der gefräßigen Pokultur-Maschine inzwischen wieder ausgespuckt.
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  • In Irland wurde dank eines historischen Referendums Abtreibung erstmals legalisiert.
  • Die Welt hat dank des US-Präsidenten einige Pornodarstellerinnen näher kennen gelernt. Zum Beispiel Stormy Daniels - im Januar wurde bekannt, dass Trump ihr Schweigegeld gezahlt hatte. Seitdem erzählt die Dame gerne und ausführlich von dieser Begegnung und erspart dem Publikum auch keine noch so unschönen Details.  

Nur zur Sicherheit: Dieses Jahr ist noch nicht vorbei, uns steht noch eine knappe Woche 2018 bevor. Da kann noch jede Menge passieren.

Deshalb lasst uns auf 2019 trinken! Das Jahr, in dem  wir unser Sofa nur noch im Notfall verlassen und uns durch exzessive Nickerchen von diesem Jahrhundertjahr 2018 erholen werden. Oder etwa doch nicht?

chwa

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